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Mar 8 2019

Ferdinand von Schirach: Schuld, schuld ferdinand von schirach.

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Schuld von Ferdinand von Schirach

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Schuld , bei Piper.

  • Mьnchen / Zьrich: Piper, 2010 unter dem Titel Schuld . ISBN: 978-3-492-05422-5 . 200 Seiten.

‘Schuld’ ist erschienen als Schuld ferdinand von schirachSchuld ferdinand von schirachSchuld ferdinand von schirach Schuld ferdinand von schirach

In Kьrze:

Mit Schuld legt der Autor und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach einen neuen Band Geschichten vor.

Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefдngnis neue Zдhne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermдnner einer Blaskapelle zerstцren das Leben eines Mдdchens und keiner von ihnen muss dafьr bьЯen.

Das meint Krimi-Couch.de: Vom Schьtzenfest ins Herz der Finsternis 81

Die abschlieЯende Frage in der Rezension zu Ferdinand von Schirachs Debьt, ob Verbrechen wohl ein Unikat bleibe, hat sich ziemlich schnell erledigt. Ein knappes Jahr ist bis zur Prдsentation des Nachfolgebands vergangen. Schuld , wieder ein knapper, hingezimmerter Titel. Passend zu den Geschichten, die sich dahinter verbergen. Nahtlos schlieЯt die Sammlung an Ferdinand von Schirachs Debьt an. Wieder erzдhlt er kurze Geschichten aus seinem (Berufs)alltag, wieder reichen sie ьber den Status landlдufiger Doku-Soaps weit hinaus. Vor allem, wenn man armselige Hohlspitzgeschosse wie Richard Thiess Mordkommission im Hinterkopf hat, lernt man von Schirachs literarische Qualitдten ungemein zu schдtzen.

Sein scheinbar unterkьhlter, immer eher beschreibender, als analysierender Stil, lдsst die Untiefen hinter dem reinen Text jederzeit durchschimmern. Ferdinand von Schirachs Geschichten sind wie Blaupausen durch die man ins Bodenlose schaut.

Drei bis zweiunddreiЯig Seiten lang; Stories ьber Verbrechen, aber vor allem Einschnitte und Wendepunkte, die Menschenleben, Individuen entzweireiЯen.

Das ist auf den ersten Blick gar nicht besonders spektakulдr, wenn man von dem mysteriцsen Fall absieht, in dem ein Kofferfund auf eine vielfache Mordserie hinweist, die am Ende nicht aufgeklдrt werden kann. Der mцgliche Belastungszeuge wird kaltblьtig hingerichtet.

Stattdessen Alltag von seiner schдbigen, hinterhдltigen, brutalen, aber auch komischen Seite.

Mutigerweise stellt von Schirach die kontroverseste Geschichte gleich an den Anfang seines wieder viel zu schnell durchzulesenden Erzдhlbandes.

Ein 17-jдhriges Mдdchen wird auf einem Schьtzenfest von den Mitgliedern einer Blaskapelle auf jede erdenkliche Weise vergewaltigt, sie erleidet mehrere Knochenbrьche und am Ende urinieren die Mдnner auf ihren geschдndeten Kцrper. Lediglich einer der Anwesenden beteiligt sich nicht an der Tat und ruft anonym die Polizei. Das Mдdchen ьberlebt, die Mдnner werden verhaftet und vor Gericht gestellt. Ferdinand von Schirach ist einer der Verteidiger. Da die Angeklagten beharrlich schweigen und einer von ihnen unschuldig ist, kommen alle mit einem Freispruch davon. Von Schirachs Fazit lautet:

Wir wussten, dass wir unsere Unschuld verloren hatten und dass das keine Rolle spielte. [. ] Wir waren erwachsen geworden, und als wir ausstiegen, wussten wir, dass die Dinge nie wieder einfach sein wьrden.

Gerechtigkeit spielt keine Rolle. Die blinde Justiz folgt rechtlichen Vorgaben, und Anwдlte nutzen sie fьr ihre Belange aus. Schlechte Gefьhle und ein ebensolches Gewissen mцgen zurьck bleiben, aber das Mitleid fьr die Anwaltszunft hдlt sich in Grenzen. Denn einen wesentlichen Punkt verschweigt von Schirach (bewusst?): Da er nicht zum Pflichtverteidiger bestellt wurde, hдtten er und seine Kollegen das Mandat nicht anzunehmen brauchen. So werden die Beileidsbekundungen fьr das Opfer zu verlogenen Krokodilstrдnen. Mag sein, dass der Junganwalt seine Unschuld verloren hat, vielleicht auch seinen aufrechten Glauben an ein Rechtssystem, das Opfer eigentlich als solche wahrnehmen und schьtzen sollte. Doch sein Leben wurde nicht so gnaden- und grundlos zugrunde gerichtet wie das des vergewaltigten Opfers.

Zugleich stellt die Geschichte klar, worum es in Schuld nicht geht: Um moralinsaure Aufklдrungsschriften, die uns beweisen wollen, dass selbst unter einer Anwaltsrobe ein aufrechter Mensch stecken kann. Hier ist niemand vom Saulus zum Paulus geworden, von Schirach zeigt deutlich, dass es auch Anwalts Sache sein kann, die unentschuldbar Schuldigen zu verteidigen. Und dass es keine moralische Rechtfertigung gibt, hinter der man sich verstecken kann. Bestenfalls Berufsethos.

Dass von Schirach auch in der Lage ist, komplexere Stoffe zu bewдltigen, zeigen die beiden lдngsten Geschichten Die Illuminaten und vor allem Der Schlьssel . Wдhrend die erste eine dьstere Coming-of-Age-Variante ist, zeigt die zweite, die absurd komische Odyssee eines modernen Simplizissimus. Vielleicht der vorsichtige Versuch ьber das knappe Skizzen-Format hinaus zu gehen und anstatt nur spaltweit in den Abgrund hinein zu sehen, mitten hinein zu springen.

Es bleibt spannend, wohin es den Autor Ferdinand von Schirach treiben wird. Das Talent und die Stoffe besitzt er anscheinend in ausreichendem MaЯe um weiter zu wachsen.

Bis dahin ist Schuld eine adдquate Fortsetzung, die dem Erstling im positiven wie negativen alle Ehre macht; ihn allerdings nicht ьbertrifft.

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Meine Wertung: 95/100

Trotzdem ist Schirachs Stil unver ndert ein besonderer – alleine seine Erz hlweise macht Lust auf die folgenden Romane.

Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gef ngnis neue Z hne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biederm nner einer Blaskapelle zerst ren das Leben eines M dchens und keiner von ihnen muss daf r b en. Neue F lle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach – die der Autor von Schirach in gro e Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensit t und in seiner unvergleichlichen lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und B se, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns.

Gut, der Mann hat Talent, bin gespannt was noch so kommt. F r den Moment sind die beiden B cher Schuld und Verbrechen als Dosis erstmal mehr als ausreichend. Trotzdem gibts von mir 82 .


Written by MICHIGAN


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